AUSBILDUNG
QUALIFIZIERUNG
UMSCHULUNG



 

Lena * (*Name geändert)  ist heute 27 Jahre alt und beginnt im September das zweite theoretische Studienjahr ihrer Erzieherausbildung. Vor 10 Jahren hätte sie selbst nie gedacht, dass sie einmal dort stehen würde, wo sie heute steht.

Die 9. Klasse der Hauptschule schaffte Lena  nur sehr knapp, für einen Qualifizierenden Abschluss hat es damals nicht gereicht. Schule war für sie nur eine lästige Pflicht, die ihr keinerlei Erfolgserlebnisse verschaffte und auch nie Spaß gemacht hatte. Da sie mit ihrem schlechten Zeugnis keine Ausbildungsstelle fand, besuchte sie ein Jahr lang ein BVJ. Doch auch danach wurde es nicht mit einer Ausbildung.Sie hielt sich mit verschiedenen Aushilfsjobs über Wasser und war dazwischen immer wieder arbeitslos. Mit 22 wurde sie schwanger. Sie entschied sich für das Kind, obwohl von Anfang an klar war, dass sie sich alleine darum kümmern musste. Unterstützung bekam sie nur von ihrer Mutter, die selbst viele Jahre alleinerziehend war. Aber mit der Geburt ihrer Tochter ändert sich auch Lenas Blick auf die Zukunft. Plötzlich erschien es ihr wichtig, eine Ausbildung zu machen, umeine gute Lebensgrundlage für sich und ihre Tochter zu schaffen und selbst Geld zu verdienen. Doch ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt waren mit der Geburt ihrer Tochter nicht gerade gestiegen. Als die Kleine etwa 1,5 Jahre alt war, erfuhr sie über das zuständige Sozialbürgerhaus von MinA und hat sich sofort dort gemeldet.

Durch die Begleitung und Unterstützung von MinA bekam Lena einen Ausbildungsplatz an einer Berufsfachschule für Kinderpflege für September 2008. Doch bevor sie endlich durchsstarten konnte, mussten sie gemeinsam mit dem Team von MinA noch eine Reihe von meistern: Organisation einer flexiblen und passgenauen Kinderbetreuung fürdie Tochter, Sicherung des Lebensunterhalts für Mutter und Kind während der Ausbildung, Aufarbeitung schulischer Defizite, Erstellung eines Notfall-Plans bei Erkrankung des Kindes und nicht zuletzt das Ausräumen von Unsicherheiten und Ängsten in Bezug auf diesen neuen Lebensabschnitt.  

Zu Beginn der Ausbildung war es Lenas oberstes Ziel, zunächst einmal die Probezeit zu schaffen. Die schlechten Schulerfahrungen in der Vergangenheit hatten sie sehr verunsichert, und sie glaubte  nicht daran, dass sie in einer vollzeitschulischen Ausbildung erfolgreich sein könnte. Durch individuelle Lernförderung und zahlreiche Gespräche gelang es Lena schließlich, schrittweise ihre Leistungen zu steigern. Sie schaffte nicht nur die Probezeit, sondern durch die ersten Erfolge in Schule und Praxis steigerten sich ihr Ehrgeiz und ihre Motivation. Lena hatte endlich etwas gefunden, das ihr Spaß machte und in dem sie gut war. Natürlich gab es während der 2 Jahre auch immer wieder Rückschläge: schlechte Noten, Schwierigkeiten in der Praxis, Probleme bei der Organisation der Kinderbetreuung, Erziehungsprobleme, finanzielle Schwierigkeiten, persönliche Krisen, Auseinandersetzung mit der Kindertageseinrichtung ihrer Tochter usw. Auch die Mehrfachbelastung durch Schule, Kind und Haushalt brachten Lena mehrmals an ihre Grenzen. Aber sie war nicht allein. Bei MinA traf sie sich regelmäßig mit anderen jungen Müttern, die genau die gleichen Probleme hatten.  Das zu erleben tat allen gut, und sie gaben sich gegenseitig Tipps und machten sich Mut.

Durch die Ausbildung zur Kinderpflegerin und die sozialpädagogische Begleitung bei MinA ist es Lena immer besser gelungen, diese Krisen zu bewältigen, gestärkt aus ihnen hervorzugehen und sich mehr und mehr Lebensbewältigungs- und Erziehungskompetenz anzueignen.

Im Sommer 2010 hat Lena ihre Ausbildung zur Kinderpflegerin mit der Mittleren Reife und als Zweitbeste ihres Jahrgangs abgeschlossen. Sie hat beschlossen, direkt die Erzieherausbildung anzuschließen. Zu MinA kommt sie immer noch gerne, manchmal weil sie selbst Unterstützung braucht, meistens aber um die anderen jungen Frauen, die sich auf denselben Weg gemacht haben, zu unterstützen und zu motivieren. Erzieherin ist ein Beruf, der nicht nur jeden Tag positive Erfahrungen im Umgang mit Kindern bringt. Erzieherinnen werden gebraucht und gesucht. Heute und in Zukunft!


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